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Karte von (c) 4UMaps.eu
Tag 1. Um 6 Uhr morgens fährt einer von 2 Zügen pro Tag nach Aumont Aubrac. Bei unserem Zug gibt die altersschwache Lok nach einer Stunde auf, und wir sitzen einige Stunden in der Provinz fest, bevor uns der nächste Zug erst Nachmittags nach Aumont Aubrac bringt. Trotzdem müssen wir noch 50Km nach Saint-Chély-d’Aubrac fahren.
Es geht über die berühmte Aubrac Hochebene auf 1300m Höhe. Hier sieht es aus wie in Schottland, genauso einsam ist es auch.
Tag 2. Der Morgen beginnt regnerisch, gleich nach Saint-Chély-d’Aubrac holen wir die Regenjacken raus. Bis Saint-Côme-d’Olt im Lot Tal geht es sehr schnell auf netten Trails von 1300m bis auf 700m. Die Wolken werden allerdings auch immer dichter. Wir schaffen es gerade eben noch in den Ort, wo wir dann ein sensationelles Gewitter zusammen mit einer spielenden Band unter ein paar Vordächern abwettern :-). Siehe Video.
Der Pilgerweg folgt nun für einige Zeit dem Fluss Lot. Vorbei an Espalion und Estaing.
Der Regen vergisst uns nicht bis wir am Abend Golinhac erreichen. Dafür hat die Wirtin die Reservierung vergessen, nach einigen Stunden warten 🙁 klärt sich das aber.
Tag 3. Immer noch schlechtes Wetter, die Wege sind entsprechend schlammig. In Conques, dem sensationellen Mittelalterstädchen gibts Mittagspause.
Die zugeführten Kalorien werden danach gleich wieder verbrannt, der Weg steigt steil um 400Hm an. Es bleibt regnerisch. Hinter Livinhac-le-Haut haben wir ein Bed und Breakfast gebucht. Das liegt leider so abseits, dass das Abendessen ausfallen muss, ein Stück Käse und altes Brot müssen reichen. Die Wirtin ist auch noch ausgesprochen unfreundlich. Alles außer schlafen ist verboten. Das schlägt sich für sie leider in einer schlechten booking.com Bewertung nieder 😥
Tag 4. Dichter Nebel über der Landschaft, durch den vielen Regen in den letzten Tagen. Das sieht ganz lustig aus, wenigstens regnet es nicht mehr.
Dann endlich gegen Mittag in Figeac kommt die Sonne raus und trocknet alle feuchten Klamotten.
Faycelles ist ein weiteres ausgesprochen schönes Dorf mit sensationeller Lage. Beim hochfahren einer Treppe mit dem Bike knallt mir dann eine Speiche. Das reduziert den Fahrspaß schon drastisch, das Hinterrad muss noch 10 Tage durchhalten. Außerdem gibt es Knarzgeräusche, noch ist unklar wo das herkommt. Meist auf Schotter und einigen Trails geht es bis nach Cajarc. Dort wird das Hinterrad neu zentriert und die Bikes notdürftig gewaschen.
Tag 5. Die nächsten Tage sind sehr warm vorhergesagt. Deshalb brechen wir früh auf. Unterwegs treffen wir ein deutsches Pärchen aus dem schwäbischen das einen Kinderanhänger mit einem Baby und einem Kleinkind über den Jakobsweg zieht. Die beiden haben sich vor einigen Jahren auf dem Jakobsweg kennengelernt. Im Vorjahr haben sie es mit den Kindern und einem Esel probiert. Der Esel war aber schlimmer als die Kinder 🙂
Wir freuen uns auf Cahors, wo wir einen Ruhetag einlegen. Unterwegs gibt es Gelegenheit mit einigen Pilgern zu schnacken. Einige treffen wir am übernächsten Tag wieder. Große Freude, das sind fast schon alte Bekannte.
Tag 6. Ruhetag in Cahors. Wäsche waschen. Lesen. Stadtrundgang, essen, schlafen
Tag 7. Gleich nach der Cahors Brücke steigt der Pilgerweg über Treppen steil nach oben, die Bikes müssen auf die Schultern. Dafür gibts bald darauf einen schönen Blick von oben:
Kürbisfelder und Sonnenblumenfelder dominieren nun die Landschaft. Am Abend haben wir in Lauzerte (noch eines dieser wunderschönen Städtchen) ein weiteres Bed und Breakfast gebucht.
Tag 8. Die Temperaturen steigen weiter an. Das hilft zwar Abends beim Wäschetrocknen, aber so langsam wird es unangenehm. Wir brechen so früh wie möglich auf. In Moissac mit seinem Kloster und dem schönen Stadtkern machen wir Mittagspause.
Ab hier folgt der Pilgerweg für viele Kilometer dem Canal du Midi. Das ist bei den Fußpilgern gefürchtet, da meist asphaltiert und nur geradeaus. Als Biker freut man sich, da man schnell voran kommt. Nachmittags steigen die Temperaturen auf aber 39 Grad, wir nutzen jeden Schatten den wir finden können.
Am Abend haben wir in der la-ferme-de-villeneuve , das beste Logis auf dieser Etappe gebucht. Unbedingt einchecken! Rose Anne ist unglaublich freundlich, kocht super und wäscht auch noch die Wäsche. Wir haben einen tollen Abend mit anderen Pilgern.
Tag 9. Es bleibt weiter heiß. Die Landschaft wird seit Cahors immer flacher. Dadurch kommen wir schneller voran. Die 50Km/Tag haben wir meist schon gegen 15.00 Uhr abgespult, was bei der Hitze recht angenehm ist. So bleibt auch mal Zeit für einen Kaffee. In Marsolan schnacken wir Nachmittags mit anderen Pilgern und hören uns deren Geschichten an. Der Durchschnittspilger macht so seine 20-25Km am Tag. Einige aber auch 40-50Km! Respekt.
Hinter La Romieu haben wir wieder ein Bed und Breakfast das abseits aller Lokale liegt. Diesmal sind wir vorbereitet und haben entsprechend eingekauft. Die Wirtin ist ausgesprochen freundlich, allerdings muffelt das Zimmer ein wenig feucht.
Tag 10. Die Pilgerfreunde vom Vortag treffen wir im Lauf des Vormittags wieder. Erstaunlich wie weit die an einem Tag zu Fuß kommen. Allerdings starten sie z.T. auch schon um 5:30 Uhr. In Condom! (die Stadt heißt wirklich so) steht das berühmte Denkmal der 5 Musketiere die aus der Gegend stammen sollen:
Zwischen Montreal und Eauze verläuft der Pfad zum Teil auf einer alten aufgegebenen Eisenbahnstrecke. Schön flach, schön schnell für Biker. Wir schaffen es gerade so mit den ersten Regentropfen ins Hotel in Nogaro. Ein gigantisches Gewitter bricht los.
Tag 11. Das Unwetter vom Vortag hat an der Mittelmeerküste schwere Schäden und Überschwemmungen angerichtet. Auch hier sind viele Bäume entwurzelt. Beim Start hält sich das Wetter noch einigermaßen, aber dann regnet es sich richtig ein. Regenjacke und Hose sind angesagt. Trotzdem drückt die Feuchtigkeit nach einiger Zeit überall durch. Glücklicherweise ist die Etappe nach Aire-sur-l’Adour recht kurz (ich hab mich da bei der Planung ein wenig verrechnet...). Das Bed und Breakfast ist ein von außen unscheinbares Haus, das sich im Innern als Palast mit 2 Zimmer Apartment entpuppt. Genug Platz für die Klamotten zum Trocknen.
Tag 12. Nach Aire-sur-l’Adour wird der Camino stellenweise topfeben. Immerhin kann man am Horizont z.T. schon die Pyrenäen erkennen. Auf dem Weg liegen noch reichlich Bäume die man z.T. nur schwer umgehen kann. Der Landgasthof in Maslacq hat schon bessere Zeiten gesehen, aber die Wirtsleute sind sehr nett und kochen gut.
Tag 13. Die ganze Nacht hat es stark geregnet. Alles ist schlammig, und die Bikes ziehen den Lehm förmlich an. Wir verlassen hier den original Pilgerweg. Statt dem Camino nach Saint-Jean-Pied-de-Port zu folgen wo der Camino Frances startet, fahren wir auf einer eigenen Bikeroute nach Irissarry. Wir müssen aus Zeitgründen eine Etappe überspringen, und wollen 2016 sowieso den Camino Norte fahren. Weswegen wir nach Bayonne am Atlantik wollen. Das Baskenland das hier beginnt hat allerdings nur wenig Feldwege wodurch wir die 75Km häufig auf der Straße zurücklegen. Gehirn abschalten, Musik an und treten.
Immerhin haben wir in Irissarry dieses obercoole Bed und Breakfast gebucht:
Die Eigentümer sind unglaublich witzig und nett.
Tag 14. Nach einem ausgezeichneten Frühstück geht es z.T. auf einem Jakobsweg Verbindungsstück durchs Baskenland nach Bayonne.
Die Häuser hier haben entweder rote Türen und Fenster, oder grüne. Punkt. Andere Farben gibt es nicht.
Die Etappe ist nochmal wirklich schön, immer am Rand der Pyrenäen entlang, die Vorberge erreichen aber auch schon eine Höhe von 1000m.
Bayonne hat eine tolle Altstadt und liegt wirklich sehenswert am Atlantik. Dank Tripadvisor finden wir ein super Lokal in der Altstadt für das Abschiedsmenü.
Tag 15. Morgens um 7 Uhr geht der Zug zurück nach Beziers. Das erreichen wir gegen 14 Uhr, und das Auto steht auch noch da.
See you 2016 on the Camino Norte 🙂
Via Podiensis Outdoor/Wanderkarte und Gps Track
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